Messung der elektrischen Signalverarbeitung von Nerven- und Muskelzellen

Klinische Elektroneurophysiologie

Mit einer elektrophysiologischen Untersuchung lassen sich Funktionsstörungen des Nervensystems untersuchen und eingrenzen. Dabei wird die elektrische Signalverarbeitung von Nerven- und Muskelzellen gemessen und mit den Ergebnissen von gesunden Menschen verglichen.

In unserem Labor für Klinische Elektroneurophysiologie erfolgen Funktionsuntersuchungen des peripheren und zentralen Nervensystems sowie der Muskulatur. Das Labor ist als Ausbildungsstätte der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie (DGKN) für EEG, EMG/ENG und Evozierte Potentiale anerkannt. Weiterhin besteht eine Kooperation mit der Akademie für Gesundheit Berlin/Brandenburg e.V. zur Praktischen Ausbildung für medizinisch-technische Assistent*innen für Funktionsdiagnostik.

Untersuchungsverfahren

In der Klinik für Neurologie kommen sämtliche modernen elektrophysiologischen Untersuchungsverfahren zum Einsatz, die eine umfangreiche Diagnostik ermöglichen.

Damit wird die elektrische Aktivität verschiedener Regionen des Gehirns mit Hilfe von Oberflächenelektroden auf der Kopfhaut aufgezeichnet. Anhand der aufgezeichneten Hirnströme kann auf bestimmte neurologische Erkrankungen geschlossen werden, einen besonders hohen Stellenwert hat das EEG bei der Diagnostik und Verlaufskontrolle von Epilepsien.

Die Untersuchung wird dann vorgenommen, wenn der Verdacht auf eine Schädigung eines einzelnen Nerven (z.B. beim Karpaltunnel Syndrom) oder einer Schädigung mehrerer Nerven (z.B. einer Polyneuropathie) besteht. Neben der Nervenleitgeschwindigkeit werden noch eine ganze Reihe anderer Werte erfasst. In der Untersuchung wird die Funktion der Nerven überprüft. Es wird getestet, ob die Nerven normal leiten oder ob die Nervenleitung blockiert oder verlangsamt ist. Durch die Untersuchung werden wichtige Informationen darüber gewonnen, welche Nerven betroffen sind und welcher Art die Schädigung ist. Hierüber können Rückschlüsse über die auslösenden Ursachen getroffen werden, die in die Therapieplanung einfließen. Ergänzend kommt der hochauflösende Ultraschall der Nerven zum Einsatz.

In dieser Untersuchung wird die elektrische Muskelaktivität aufgezeichnet. Es kann festgestellt werden, ob die Versorgung des Muskels durch die Nervenfasern intakt ist, das heißt sie liefert Hinweise darüber, ob der den Muskel versorgende Nerv geschädigt ist. Dies ist zum Beispiel wichtig, um Bandscheibenvorfälle von Läsionen einzelner Nerven abzugrenzen und ggf. zu beurteilen, ob sich ein Nerv nach einer Verletzung wieder erholt. Bei Muskelschwäche kann beurteilt werden, ob die nervale Versorgung der Muskeln das Problem darstellt (Neuropathie) oder die Muskeln selber erkrankt sind (Myopathie). Die Aufzeichnung erfolgt nachdem der Muskel mit einer sehr dünnen Nadel angestochen wurde, sie liefert wichtige Informationen über den Funktionszustand des Muskels und der versorgenden Nervenfasern.

Diese Methoden überprüfen die Funktionen von Nervenbahnen, indem genau die Sinnesreize stimuliert werden (z.B. Sehsinn oder Hörsinn), deren Leitungsbahnen gemessen werden sollen. Die Ableitungselektroden werden am Kopf und zum Teil auch am Rücken platziert. Je nach Sinnesreiz sind zu unterscheiden:

Somatosensibel evozierte Potentiale (SEP)
Mit feinen Stromimpulsen an den Extremitäten werden die Leitungsbahnen stimuliert, die das Empfinden aus Armen und Beinen an das Gehirn weiterleiten. Festgestellte Veränderungen können durch verschiedene neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Bandscheibenvorfälle in der Brust- oder Lendenwirbelsäule oder Hirntumore bedingt sein.

Akustisch-evozierte Potentiale (AEP)
Klickimpulse, die über einen Kopfhörer abgegeben werden, stimulieren die Hörbahn. So können wichtige Informationen über die Hör- und Gleichgewichtsnerven sowie die Hirnstammfunktion gewonnen werden.

Visuell-evozierte Potentiale (VEP)
Diese Stimulation ermöglicht die Überprüfung der Sehnerven und der gesamten Sehbahn bis hin zur Sehrinde im Hinterhauptlappen des Großhirns. Sie ist besonders wichtig bei entzündlichen Erkrankungen des Gehirns, die bevorzugt diese Strukturen betreffen.

Motorisch-evozierte Potentiale (MEP)
Mittels Magnetstimulation werden die motorischen Nervenbahnen von der Großhirnrinde über das Rückenmark bis in die einzelnen Muskeln überprüft. Hierzu werden mit einem Magnetstimulator die Bewegungszentren im Gehirn stimuliert, und es wird die so ausgelöste Aktivität in Hand und Fuß registriert. Auf diese Weise können die motorischen Nervenbahnen von der Großhirnrinde über das Rückenmark bis in die einzelnen Muskeln überprüft werden.